Besuch von Raymond Kiesbye bei der Mitgliederversammlung am 12.09.2013

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Am letzten Donnerstag hatte unser Ortsverein einen für uns wichtigen Gast eingeladen: den neuen Tourismuschef Raymond Kiesbye. Touristisch vielfach bewanderte, kam er aus Wilhelmshaven in die Seestadt gesegelt, um sich hier neuen Herausforderungen zu stellen. Bremerhaven lobte er  als „eine Stadt mit touristischem Verständnis“, die in diesen wichtigen Bereich so viel finanzielle Mittel investiere, wie keine zweite Stadt in der Bundesrepublik. Er hofft, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Der Stadt Bremerhaven fehlt momentan eine umfassende Marketingstrategie, da in den letzten 5 Jahren viel liegen geblieben sei. Mit der neu geschaffenen Erlebnis Bremerhaven GmbH wird gerade der Tourismusbereich neu strukturiert und in Zukunft den Problemen Abhilfe geschaffen.

Die Erlebnis Bremerhaven GmbH wurde am 01.07.2013 nach einem politischen Entschluss vom 13.06.2013 kurzfristig neu gegründet.  Solche Firmengründung birgt aufwändige Prozesse. Hierbei steckt der „Teufel im Detail“: bspw. müssen Steuernummern beantragt, ein Postfach eingerichtet und neue Telefonanlagen mit neuen Nummer angeschafft werden. Technische Details, wie einen von der BIS getrennten eigenen Server und den dazu notwendigen Datentransfer zu bewerkstelligen, kosten Zeit. Ein eigener Wirtschaftsplan muss aufgestellt werden, hierbei ist die Ausgrabung der „Leichen im Keller“ von den Vorgängern und beteiligten Firmen wichtig. Weiterhin sind die verschiedenen Fördertöpfe zu nutzen – für Außenstehende ist dieses Geflecht an Angeboten zunächst undurchsichtig und bedarf eingehender Analysen. Logistische Probleme müssen angegangen werden: eine räumliche Zusammenführung der Mitarbeiter unter einem Dach im Neuen Hafen wird angestrebt. Solche organisatorischen Dinge werden leider noch die Hauptarbeitszeit in diesem Jahr in Anspruch nehmen.

Mit dem neuen Jahr ist geplant, endlich inhaltlich durchzustarten, worauf Herr Kiesbye innerlich zu brennen scheint. Dann kann es losgehen mit der Planung und dem Marketing des „Erlebnisses in Bremerhaven“. Der Name der neugegründeten Gesellschaft verspricht hier schon viel. Die Namensgebung sei durch die Belegschaft vorgeschlagen worden. Im Allgemeinen lobte Kiesbye seine Mitarbeiter  für ihr hohes Engagement. Dieses muss auch öffentlichkeitswirksam  gestärkt werden. So muss vor allem die Kommunikation nach innen verbessert werden. Die Bremerhavener müssen mitbekommen, wie viel für ihre Seestadt bereits an Werbung in andere Teile der Republik gelangt. Zur Lösung dieses Problems denkt Herr Kiesbye beispielsweise an die Einrichtung eines Newsletters. Um seinen Mitarbeiterstab zu vergrößern, sollen vermehrt Schülerpraktika und Ausbildungsplätze angeboten werden. Stolz erzählte Kiesbye, dass in diesem Jahr auch der erste Teilnehmer eines „freiwillige kulturellen Jahrs“ bei der Erlebnis Bremerhaven GmbH mit an Bord genommen werden soll.

Um sich einen Überblick über die vielfältige touristische Landschaft Bremerhavens zu machen, ist Kiesbye die ersten 3 Monate seiner Arbeitszeit in alle Einrichtungen und Museen eingekehrt und hat den dort ansässigen Mitarbeitern zugehört. Hierbei hat er bereits erste inhaltliche Ideen für ein Tourismuskonzept gesammelt, die bereits in ihm ein Feuer entzündet haben, welches bald endlich zur Ausgestaltung, konkreten Planung und Verwirklichung genutzt werden will. Hierbei verfolgt Kiesbye eine klare Maxime: „wenn man ‚everybody’s Darling‘ sein will, ist man eigentlich ‚everybody‘s Depp‘“.

Kiesbye sieht Bremerhaven als Gesamtkunstwerk, das in Gänze gefördert und vermarktet werden sollte. Man müsse vor allem die Synergieeffekte zwischen den wichtigen Standorten der Havenwelten, der Stadthalle und dem Schaufenster Fischereihafen ausbauen und nutzen. Hierzu ist die Errichtung eines Wellcome-Centers angedacht: eine große Ausstellungsfläche, die mit Hilfe von repräsentativen Ausstellungsstücken Lust auf die touristischen Sehenswürdigkeiten Bremerhavens machen soll. Wichtig hierbei ist die Vermarktung von zeitlich abgestimmten Führungen, Öffnungszeiten und weiteren Veranstaltungshinweisen durch multimediale Tafeln. Diese sollen eine Fülle an Ideen für touristische Aktivitäten präsentieren, um den Besuchern die verschiedenen Perspektiven und Attraktionen Bremerhavens  aufzuzeigen und sie wiederholt in die Seestadt zu locken.

Um die Bettenbelegung und Besucherzahlen zu erhöhen, ist es wichtig, vermehrt verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Gerade Touristen aus Süddeutschland und der Schweiz könnten durch kombinierte Stadt-Strand-Urlaubsangebote gelockt werden. Auch der Kreuzfahrttourismus sollte in weiteren Planungen bedacht werden. Ebenso sollten Jugendreisen beworben werden. Das Havenhostel und das Klimahaus führen bereits Angebote für Jugendliche durch.  Eine Anbindung an das Projekt „Bildung Ahoi“, mit dem gezielt Lehrer angesprochen werden und Informationen zur Planung von Klassenfahrten bekommen, ist bereits geschehen. Eines der Anliegen ist außerdem der weitere Ausbau der Barrierefreiheit für Menschen mit Handicap. Bremerhaven sei beim Projekt „Tourismus für alle“ dabei. Der Fahrradtourismus soll durch erweiterte Vermietung von Fahrrädern und die Aufstellung von Unterbringungsmöglichkeiten für Gepäck ausgebaut werden. Gerade im verkehrstechnischen Bereich wären Neuerungen wünschenswert. Liegt der Focus auf Bahnreisende, wäre der Ausbau einer ICE-Anbindung wünschenswert. Ein verbessertes Park & Ride- System sollte für Autofahrer eingeführt und die Parkplatzsituation auf aktuelle Entwicklungen und an weitere Neuerungen angepasst werden. Unter anderem wäre der infrastrukturelle Ausbau eines  Busparkplatzes sinnvoll. Es gibt bisher nur eine solche Parkgelegenheit, die jedoch oftmals anderweitig durch LKWs zugestellt sei. Solchen Problemen könnte bspw. mit einer mechanischen Lösung wie der Anbringung einer Schranke Abhilfe geschaffen werden.

Wenn Touristen Bremerhaven erreicht haben, ist die Lenkung von Besucherströmen wichtig. So sollte die Einführung eines Beschilderungssystems unabdingbar sein. Hierzu gehören auch die Anbringung von Hinweisen am Hauptbahnhof: die Einrichtung einer Tourist-Info sowie die Einführung einer besseren Busbeschilderung zum Aufzeigen des Weges in die Havenwelten und zu weiteren touristischen Hauptpunkten Bremerhavens will Herr Kiesbye auf unsere Empfehlung hin prüfen. Weiterhin schlägt er die Einführung einer Tourismus-Card mit Rabatten und der Verknüpfung mit einer kostengünstigen Nutzung von Nahverkehrsmitteln vor, um  weitere Anreize zum Besuch mehrerer Museen und Attraktionen zu bieten. Diese Idee begrüßt der Ortsverein Mitte sehr, da wir eine solche Karte bereits selbst politisch mehrfach gefordert haben. Sind die Besucher im Innenstadtbereich angelangt, könnte u.a. neben der besseren Beschilderung auch eine auf die Straße gezeichnete Linie als Stadtrundgang zur Orientierung dienen.  Diese könnte bei touristischen Führungen genutzt werden, welche regelmäßig angeboten und durch das Wellcome-Center vermarktet werden würden. In diesem Stadtrundgang könnte wiederum vermehrt auf die touristischen Attraktionen Bremerhavens wie die Museenlandschaft hingewiesen werden.

Über die Sail konnte sich Herr Kiesbye noch nicht viele Gedanken machen, jedoch ist ihm diese als wichtiger Bestandteil des Seestadtlebens bewusst. Ein erster Einfall zur Finanzierungshilfe wäre bspw. der Verkauf von hochwertigen Pins. Auf unsere Anregung nimmt Herr Kiesbye die Idee zur Schaffung eines Wahrzeichens als Identitätsmerkmal für Bremerhaven mit. So könnte ein einheitliches Logo oder die Einführung eines Maskottchens maßgeblich zur Identitätsschaffung der Seestadt beitragen.

Der Ortsverein hatte eine spannende Mitgliederversammlung durch den Besuch von Herr Kiesbye. Unser Fazit: Herr Kiesbye ist ein gewandter, engagierter, offener, kooperativer und strategischer Mann. In ihm steckt ein Quell an Ideen und er scheint offen für Anregungen von allen Seiten.  Hoffentlich bringt er mit der Umsetzung seines Ideenreichtums frischen Wind in die Seestadt. Möge er alten Staub beseitigen und Bremerhaven zu neuen Höhenflügen verhelfen! Hoffentlich trifft er dabei nicht auf zu viel Gegenwind. Wir als Ortsverein Mitte werden ihn so gut es geht bei der sinnvollen Erneuerung der touristischen Landschaft Bremerhavens unterstützen.

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